Geschichte des Erzbergbaus im Achtal
Wenn man auf der Fahrt von Neukirchen nach Oberteisendorf dem Lauf der
Oberteisendorfer Ache folgt, die in einem engen, waldreichen Tal dahinfließt folgt, kann
man kurz hinter Neukirchen schon die ehemaligen Fabrikhallen der Carolinenhütte Achthal
erblicken. Und damit hat man auch schon die einstige Grenze zwischen Bayern und Salzburg,
die fast 600 Jahre bis 1816 Bestand hatte, passiert.
Diese Grenze hat den Erzbergbau im Achthal entscheidend geprägt, so daß
es einen Bayerischen und einen Salzburgischen Erzbergbaubetrieb gab. Erzbergbau wurde hier
am nordwestlichen Teisenberg aber bereits vor 2000 Jahren von den Römern betrieben, die
Erz in Hütten schmolzen und Hammerwerke betrieben. Urkundlich erwähnt wurde der Erzabbau
erst im 10. Jahrhundert. Nach zähen Verhandlungen zwischen Bayern und Salzburg wurde 1275
dann der Grenzverlauf mitten durch die Eisenerzflöze festgelegt. Kressenberg kam zu
Bayern und die nur 1 km entfernten Minen am Schwarzenberg zu Salzburg.
Damit entstanden zwei Eisenhandelszentren. Während das Bayerische Erz
nach Hammer und Bergen transportiert wurde um dort verhüttet zu werden, wurde auf
Salzburger Seite im Achthal 1432 ein Hammerwerk mit Hochöfen errichtet. Zum Beheizen der
Hochöfen wurde Holzkohle aus den Wäldern des Teisenberges hergestellt. Der immense
Energiebedarf führte trotz Vermengung des Brennstoffes mit Torf aus den Mooren der
Umgebung zu einem fast vollständigem Kahlschlag des Teisenberges, so daß 100 Jahre
Später ein Hochofen in Röhrbach bei Anger und das
Eisenhüttenwerk in Hammerau, heutige Gemeinde
Ainring, welches heute
noch besteht, errichtet wurde.
Der Erzabbau im Achthal wurde im Jahre 1925 eingestellt, da die
Transportkosten mit Fuhrwerken gegenüber der neuerrichteten Eisenbahnverbindung München
Salzburg mit Abschleifer nach Bad Reichenhall und Berchtesgaden zu teuer waren.
Interessant sind die Namen der Stollen und Flöze: Während auf der
Salzburger Seite um Neukirchen die Stollen Heiligennamen trugen (Hauptaktionär war der
Salzburger Erzbischof) trugen die Stollen auf bayerischer Seite (Kressenberg) die Namen
der der Bayerischen Herzöge und Könige. So stehen heute neben dem Maxflöz,
Emanuelflöz, Josefflöz oder Ferdinandflöz das Marien-, Christoph- und Ulrichflöz sowie
der Barbarastollen. Die Heilige Barbara war übrigens zugleich die Schutzpatronin der
Bergleute. Der rechte Seitenaltar in der Pfarrkirche Neukirchen erinnert noch heute daran
wie auch die Altäre in den Kirchen von Siegsdorf und Bergen.
Auch war die Abbauweise in beiden Gruben sehr verschieden. Auf der
Salzburger Seite findet man Stollen mit maximal 3 Meter Höhe, während die meisten
Stollen auf der bayerischen Seite eine Höhe bis 8 Meter aufweisen. In den meisten Fällen
wurden die Stollen nicht verbaut, nur Querschläge und bei geologischen Stör- und
Verwerfungszonen wurde vermauert oder sie wurden mit dem deutschen Türstock verbaut.
Während der Salzburger Bergbau, der ca. 70 Meter tiefer lag und seit 1855 über den
eigens erbauten 1997 Meter langen Erbstollen nach Achthal entwässerte, gab es auf dem
höher gelegenen bayerischen Teil am Kressenberg ständig Wasser- probleme. Der
Weitwiesenstollen, der in den Rettenbach kurz nach der ehemaligen Grenze mündet, war zu
hoch, um die Menge der anfallenden Grubenwässer abzuleiten. Aus diesem Grunde versuchte
man mit dem Bau des Pattenauer Erbstollens dem Wasserproblem Herr zu werden. Mit dem
Vortrieb dieses Stollens traf man erneut auf enorme Wassermassen, so daß man mit dem
Pattenauer-Erbstollen nie das eigentliche Grubenfeld erreichte. Verhandlungen über einen
Zusammenschluß bzw. einen Verbindungsstollen beider Gruben und somit eine Ableitung der
Grubenwässer von der bayerischen über die Salzburger Anlage, was topographisch möglich
gewesen wäre führten zu keinem Erfolg.
Mehr zur Geschichte des Erzabbaus im Achthal und der Verarbeitung des
Eisens erfahren sie im Bergbaumuseum Achthal.
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